Digitale Souveränität – warum sie für den Datenschutz wichtig ist

Datenschutz · Awareness

Digitale Souveränität – warum sie für den Datenschutz wichtig ist

Wenn es um Digitalisierung geht, ist derzeit ständig von Souveränität die Rede. Der Begriff klingt politisch — er entscheidet aber sehr konkret darüber, wie viel Datenschutz überhaupt möglich ist.

Digitale Souveränität ist gerade in fast jeder Debatte über Digitalisierung zu hören. Warum spielt das plötzlich so eine große Rolle — und was hat es mit dem Datenschutz im eigenen Unternehmen zu tun? Mehr, als es auf den ersten Blick scheint.

In der Digitalisierung gibt es ein Ungleichgewicht

Ob Hardware, Mikrochips, Suchmaschinen oder Cloud-Dienste: Viele der Technologien, auf denen der Arbeitsalltag aufbaut, stammen nicht aus Deutschland oder der EU. Seit Jahren zeigt sich dasselbe Bild — Europa importiert mehr digitale Technologie, als es selbst exportiert.

Dieses Ungleichgewicht ist nicht nur ein wirtschaftliches Thema, es schafft konkrete Abhängigkeiten. Die geopolitischen Krisen der letzten Jahre haben deutlich gemacht: Technologische Abhängigkeit ist auch ein strategisches Risiko. Deshalb richtet die deutsche Digitalpolitik den Kurs neu aus — mit dem Ziel größerer Eigenständigkeit, europäischer Kooperationen und Investitionen in Schlüsseltechnologien.

Was digitale Souveränität eigentlich bedeutet

Gemeint ist die Fähigkeit, Technologien und Daten tatsächlich selbst zu kontrollieren, statt von einzelnen Anbietern abhängig zu sein. Wichtig dabei: Souveränität ist nicht dasselbe wie Autarkie. Es geht nicht darum, alles selbst zu bauen, sondern darum, handlungsfähig und selbstbestimmt zu bleiben — auch dann, wenn ein Anbieter seine Bedingungen ändert.

IT-Sicherheitsbehörden warnen vor der Dominanz einzelner Anbieter

Ein entscheidender Punkt ist die Wahlfreiheit. Genau hier liegt das Problem: In vielen Bereichen dominieren wenige große Anbieter, häufig von außerhalb der EU. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) spricht in diesem Zusammenhang von „Cyber Dominance“ — der Einflussnahme über digitale Produkte, die Herstellern Zugriff auf Informationen und Kontrolle über Systeme verschaffen.

Digitale Alltagsprodukte wie PCs oder Smartphones erfassen dabei oft mehr Daten, als vielen bewusst ist: Nutzungsverhalten, Standorte, Gerätezustände. Hinzu kommt der Update-Kanal. Updates sind für die Sicherheit unverzichtbar, bedeuten aber auch, dass Hersteller dauerhaft Einfluss auf die Systeme behalten. Im Extremfall könnten sie Funktionen einschränken oder Geräte unbrauchbar machen. Die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter wird an dieser Stelle besonders greifbar.

BSI Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

Weiterführende Informationen

Positionierung des BSI zu Digitaler Souveränität in Zeiten von Cyber Dominance

Das BSI beschreibt, wie Hersteller über digitale Produkte Kontrolle behalten und empfiehlt „souveräne Kontrollschichten“ — Verschlüsselung, europäische Betriebsmodelle, Update-Kontrolle und unabhängige Audits.

Zum BSI-Artikel →

Wer seine Daten kontrollieren will, braucht Unabhängigkeit

Wer steuern möchte, was mit den eigenen Daten passiert, ist auf entsprechende Funktionen angewiesen — etwa auf wirksame Verschlüsselung. Entscheidend ist, dass diese Funktionen nicht vollständig in der Hand des Anbieters liegen.

Fehlen solche Möglichkeiten, bleibt meist nur ein Ausweg: ein anderes Produkt oder ein anderer Anbieter. Das setzt allerdings voraus, dass es überhaupt Alternativen gibt. Ohne Alternativen gibt es keine echte Wahl — und ohne Wahl keine Kontrolle über die eigenen Daten. Dann bestimmen am Ende die Anbieter, welches Datenschutzniveau möglich ist und welches nicht.

Datenhoheit gehört zum Datenschutz

Ein zentraler Bestandteil digitaler Souveränität ist die Datensouveränität: die Fähigkeit, selbstbestimmt über die eigenen Daten zu verfügen. Dazu gehört die Kontrolle darüber, wer Daten verarbeitet, zu welchem Zweck und unter welchen Bedingungen. Genau hier setzt der Datenschutz an — er soll diese Kontrolle sicherstellen und Transparenz schaffen. Die Datenschutzaufsichtsbehörden betonen deshalb die enge Verbindung beider Themen: Digitale Souveränität gewinnt an Bedeutung, wenn personenbezogene Daten wirksam geschützt werden sollen.

Konkret wird das überall dort, wo Daten liegen und wieder verschwinden müssen — etwa bei der Frage, wer in einer Cloud-Ablage auf welche Inhalte zugreifen kann oder ob eine Löschung personenbezogener Daten technisch überhaupt durchsetzbar ist. Wer diese Fragen nicht beantworten kann, hat die Kontrolle über seine Daten faktisch abgegeben.

Datenschutz gehört zur persönlichen Freiheit

Datenschutz ist mehr als eine gesetzliche Pflicht. Er entscheidet darüber, wie selbstbestimmt Menschen im digitalen Raum handeln können. Wird er konsequent umgesetzt, stärken Unternehmen ihre Unabhängigkeit und Nutzerinnen und Nutzer gewinnen Kontrolle zurück. Die Forderung nach digitaler Souveränität ist damit immer auch eine Forderung nach mehr Kontrolle, mehr Transparenz und einem bewussten Umgang mit Daten.

Was das konkret für den Arbeitsalltag heißt

✓  Tools bewusst einsetzen: nur die vorgesehenen und freigegebenen Anwendungen nutzen — und darin nur die Daten verarbeiten, die wirklich erforderlich sind.

✓  Einstellungen regelmäßig prüfen: Datenschutz- und Sicherheitseinstellungen, etwa zu Zugriffsrechten und Datenfreigaben, gehören in eine wiederkehrende Kontrolle.

✓  Bei Unklarheit vorher fragen: Ist offen, wie ein Dienst Daten verarbeitet oder ob der Einsatz datenschutzkonform ist, sollte das vor der Nutzung geklärt werden — nicht danach.


Digitale Souveränität entsteht nicht durch eine einzelne Entscheidung, sondern durch viele kleine im Alltag: welches Werkzeug genutzt wird, welche Daten es sieht und wer darauf Zugriff hat. Genau deshalb gehört das Thema nicht nur in die Politik, sondern auf jeden Arbeitsplatz.

Abhängigkeiten kennen, Kontrolle behalten

Ich prüfe mit Ihnen, welche Dienste welche Daten verarbeiten, wo Abhängigkeiten entstehen und mit welchen Maßnahmen Sie die Kontrolle über Ihre Daten zurückgewinnen.